Bereits geschrieben ist das Buch über Kristina. Trotz diagnostizierter Borreliose landete die 13jährige aus Essen von der Schulbank in der geschlossenen Psychiatrie, angeblich magersüchtig. Die Zwangsernährung und antidepressive Behandlung quittierte sie mit Selbstverletzungen der Haut. Nach der Borreliose-Therapie war der Spuk vorbei. Ihre Mutter Anne Köppner beschrieb die Achterbahnfahrt ihrer Tochter in dem Buch "Götter in Weiß".
Der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Wolfgang Zöller, CSU, verlautbart seit 2010 auf der Homepage der Bundesregierung, dass Borreliose zu den am meisten verharmlosten und unterschätzten Krankheiten in Deutschland gehöre. Trotzdem ist es noch immer schwer, einen Arzt zu finden, der Borreliose erkennt und richtig behandelt. Dies ist die häufigste Frage in der Hotline-Beratung des Borreliose und FSME Bundes (BFBD). Schwangere mit Borreliose und erkrankte Stillende leben in Angst, ihrem Kind das Bakterium zu übertragen. Ist das möglich? Man fand Borrelien in Sperma, Muttermilch und im Mutterkuchen. Trotzdem gibt es keine Forschungsprojekte. Selbst in dem von der zurückgetretenen Ministerin Schavan initiierten Deutschen Zentrum für Infektionskrankheiten (DZI) fragt man vergeblich nach Borreliose.
Noch hilfloser sind Eltern, wenn ihr Kleinkind noch nicht spricht und nicht sagen kann, was ihm wehtut. Auch in Deutschland werden Eltern bezichtigt, sie würden eine Borreliose vortäuschen, um das Kind mit Absicht von der Schule fernzuhalten. Ärzte und Ärztinnen, die sich diesen Kindern widmen, werden von den eigenen Kollegen angefeindet und durch Kassenärztliche Vereinigungen mit Regressforderungen bedroht.
Bundesärztekammer tatenlos
Berichte, wie Kinder mit Borreliose durch Behandlung wieder schulfähig werden können, sind niedergeschrieben in der Zeitschrift "Borreliose Wissen Kinder". Standespolitiker interessiert das nicht. Die Bundesärztekammer (BÄK) antwortete nach vier Jahren Schweigens im letzten Jahr dem BFBD erst unter Druck des Beauftragten für Informationsfreiheit. Gefragt war nach Maßnahmen, um Borreliose ins Bewusstsein der verschiedenen Fakultäten zu rücken, um Diagnostik und Therapie zu sichern, um adäquate Fortbildung zu gewährleisten und um einen eindeutigen Marker für die Beweisbarkeit der Infektion zu erlangen. Antwort: Nein, es lägen dazu keine Informationen vor.
Nach einer Hochrechnung der Gesetzlichen Krankenkassen infizieren sich Jahr für Jahr zwischen 700 000 und einer Million Menschen mit Borrelien. Unter Druck des BFBD analysierte das Robert-Koch-Institut nachträglich vorhandene Blutproben von 12.600 Kindern. Als Resultat ergab sich, dass 4,8 Prozent dieser Kinder zwischen 0 und 17 Jahren Antikörper gegen Borrelien aufwiesen. Unter der Annahme, dass in Deutschland rund 13 Millionen Kinder dieser Altersgruppe leben, wären gemäß dieser Auswertung über 600 000 Kinder mit Borrelien infiziert. Völlig unerwartet ergab sich aus dieser Untersuchung die Schlussfolgerung, dass das Halten einer Katze mit einem höheren Borreliose-Risiko verbunden sei, als das Halten eines Hundes oder anderer Haustiere.
Anzeige gegen SWR-Autor
Patienten und Ärzte verlassen sich auf Labortests. Es gibt mehr als 30 davon und es existiert keine Standardisierung. Man kann mit dem gleichen Blut in einem Labor negativ und im anderen positiv sein. Das Nationale Referenzzentrum für Borrelien kennt die sicheren Tests, verrät sie aber nicht aus Angst vor Schadensersatzansprüchen von Testherstellern, die nicht gut abschneiden würden. Die Behauptung des SWR-Autors Dr. Patrick Hünerfeld, dass sich Borreliose durch Antikörper beweisen lasse, ist als Manipulation entlarvt. Die entscheidenden Mitwirkenden an diesem Film wurden bezahlt. Ein Neurologe, Unterstützer der Hünerfeldschen Behauptung, ist Testhersteller. Eine Strafanzeige als Auftakt für Staatsanwaltliche Ermittlungen ist in die Wege geleitet.
Vor allem wenn das Kind noch nicht spricht, ist es für die Eltern wichtig, die möglichen Symptome zu erkennen: In der Reihenfolge ihrer Häufigkeit sind das
- Kopfschmerzen aller Art
- Reizbarkeit
- Überempfindlichkeiten bei Licht, Geräuschen, Gerüchen und Berührung
- Gleichgewichtsstörungen
- Aufmerksamkeitsdefizite
- Rückgang schulischer Leistungen
- Gangstörungen
- grob- und feinmotorische Entwicklungsdefizite
- Verlust motorischer Fähigkeiten bei Spiel, Sport, Musizieren
- Verlust und Verlangsamung des Sprachvermögens
Hinzu können psychiatrische Störungen auftreten wie Angst, Depression, Phobien, emotionale Labilität, Persönlichkeitsveränderungen, Suizidversuche. Das alles begleitet von Müdigkeit, Schweißausbrüchen, geschwollenen Lymphdrüsen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Nackensteifigkeit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Spasmen, Alpträumen und Schlafwandeln. Auffallend sind auch Kurzatmigkeit, Hautveränderungen und immer wiederkehrende Infektionen. Auch Herzbeteiligungen bei 16 Prozent der Kinder können nicht mehr als Seltenheit bezeichnet werden.
Der Borreliose und FSME Bund Deutschland (BFBD) entwickelte für Kinderärzte, Eltern, aber auch für Schwangere und Stillende einen Spezialzeitschrift über Borreliose, in der auch die sexuelle Übertragbarkeit diskutiert ist und die von Ärzten untermauerte Hypothese, warum es sich bei der Borreliose um eine globale Pandemie handeln müsse. Sie kann über die BFBD-Homepage www.bfbd.de für 7,50 EUR zuzüglich Versandkosten bestellt werden.