"Oft handelt es sich bei Tabus um Themenbereiche, die wunde Punkte einer Gesellschaft berühren. Auch wenn heute vielfach von einer ’Gesellschaft ohne Tabus’ gesprochen wird, werden wir gerade im Gesundheitsbereich immer wieder damit konfrontiert. Hier kommt der richtigen Kommunikation eine tragende Rolle zu", sagte Sigrid Krupica, Geschäftsführerin von Trimedia. Sie diskutierte gemeinsam mit der Meinungsforscherin Astrid Eßl von Fessel GfK, dem Krebsspezialisten Univ. Prof. Michael Gnant vom AKH Wien, Geschäftsführerin Beate Hartinger vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger und Public Affairs Director Hanns Kratzer von Merck Sharp & Dohme Österreich.
Die Österreicher interessieren sich für jedes Gesundheitsthema, bestätigte Astrid Eßl von Fessel GfK in ihrem Impulsreferat. "Aber an der Spitze stehen Übergewicht und Krebs", so Eßl. Es sei für die Meinungsforschung relativ einfach, viel über Tabus zu erfahren, weil viele Patienten das Bedürfnis haben, über ihre gesundheitlichen Probleme zu reden – und sei es mit einem Interviewer.
"Als jemand, der sich tagtäglich mit dem Thema Krebs und damit mit dem Tod auseinandersetzt, sehe ich das Reden über das Sterben nach wie vor als eines der größten Tabus", betonte der Krebsspezialist Michael Gnant. Auch wenn in den letzten Jahren viele Themen enttabuisiert wurden, bleibe der Arzt hier der wichtigste Gesprächspartner.
Es sei äußerst schwierig und ein Tabu, einem kranken Patienten zu erklären, dass er eine gewisse Leistung nicht mehr erhalte – und zwar nicht aus ökonomischen Gründen, sondern einfach, weil diese Leistung die Lebensqualität nicht verbessere, unterstrich Beate Hartinger vom Hauptverband in ihrem Statement. Auch sei im Gesundheitswesen die Fehlerkultur zu wenig entwickelt: anstatt Fehler offen zu legen und daraus zu lernen, würden diese oft unter den Tisch gekehrt und werden so zu Tabus.
Hanns Kratzer von MSD bemerkte, dass für Pharmaunternehmen viele Gesundheitsthemen tabu sind, weil gesetzliche Rahmenbedingungen nur eine eingeschränkte Kommunikation zum Patienten erlauben. Informations- und Vorsorgekampagnen hätten sich hier aber bewährt. "Von der Enttabuisierung von Krankheiten profitieren alle: Patienten, Angehörige, Ärzte und natürlich auch die Pharmafirmen", so Kratzer.
Trimedia lädt ab sofort in regelmäßigen Abständen zu einem Round Table ein. Eine Auswahl von Experten aus den verschiedensten Branchen wird dabei Impulsreferate zu aktuellen Themen geben, die diese aus der Kommunikationsperspektive beleuchten. Journalisten aus den jeweiligen Fachmedien und der Tagespresse sind eingeladen, die Themen mit der Expertenrunde zu diskutieren. Veranstalter des diesmaligen Round Table war das Trimedia Center of Excellence Healthcare, das Kunden aus den Bereichen Pharma, Gesundheitspolitik sowie medizinische Interessensverbände betreut.