Weiterhin fordert Professor Keßler, dass Verbraucherinteressen stärker als bisher schon im Vorfeld von Gesetzgebungsvorhaben zur Geltung gebracht werden, um so das erforderliche Gegengewicht zum Lobbyismus der Anbieterseite zu gewährleisten. Insofern sollte ein Landesbeirat für Verbraucherschutz unter institutioneller Beteiligung der Verbraucherzentrale geschaffen und in anstehende Gesetzgebungsvorhaben mit verbraucherrechtlicher Relevanz eingebunden werden. Bei öffentlichen und privaten (Dienstleistungs-) Unternehmen im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge (Wasserbetriebe) sollte das Land auf die Bildung von Verbraucherbeiräten (consumer watchdogs) hinwirken, welche die Verbraucherinteressen zur Geltung bringen und bei Verbraucherbeschwerden angerufen werden können. Gleiches gilt auch bei Behörden, wie beispielsweise der Landeskartellbehörde. Darüber hinaus sollte den Verbraucherbelangen auch im Rundfunkrat des rbb wieder eine Stimme verschafft werden.
Herr Professor Keßler hofft, dass die derzeitigen Verhandlungen mit der Senatsverwaltung bis Ende dieses Sommers zu einem guten Ergebnis für die Verbraucherzentrale führen. Eine Besucherbefragung der VZ Anfang des Jahres in Zusammenarbeit mit IFAV hat ergeben, dass bildungsferne und einkommensschwache Ratsuchende, die sich an die Verbraucherzentrale wenden, unterrepräsentiert sind. Die Befragung ergab eine hohe Akzeptanz der Öffnungs- und Beratungszeiten. Die Qualität der Beratungen wurde - bis auf zwei Ausnahmen (2,04 und 2,40) - mit Schulnoten von 1,55 bis 2 bewertet.
Der vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Auftrag gegebene Verbraucherschutzindex 2008 hat ergeben, dass das Land Berlin zwar von Platz 7 (2006) auf Platz 6 aufgestiegen ist - und zwar nicht zuletzt aufgrund er guten Ergebnisse der Verbraucherzentrale. Bei der Finanzierung der Verbraucherzentrale bildet Berlin zusammen mit Baden-Württemberg aber das Schlusslicht mit 0,18 Euro pro Kopf. Bundesweit sind die finanziellen Zuwendungen zwischen 2004 und 2006 durchschnittlich von 0,40 auf 0,35 Euro pro Einwohner gesunken.
Eine weitere von Bundesverband in Auftrag gegebene imug-Verbraucherbefragung (Juni 2008) zeigt unter anderem, wie wichtig die Präsenz der Verbraucherzentralen vor Ort ist. Mit deutlichem Abstand werden die Verbraucherzentralen und die Stiftung Warentest als wirkungsvollste Vertreter der Verbraucherinteressen genannt. Als wichtigste Eigenschaften der Verbraucherzentrale Berlin wurden Nützlichkeit (82 %) und Glaubwürdigkeit (70 %) genannt.
Die Frage nach einer Beteiligung von Unternehmen an der Finanzierung der Verbraucherzentrale Berlin stieß bei der Befragung auf eindeutige Ablehnung. Das große Vertrauen der Berliner in die Arbeit ihrer Verbraucherzentrale basiert in hohem Maße auf der Neutralität und dem Angebot von fachkundiger, anbieterunabhängiger Information und Beratung.