Aufgabenstellung
Fahranfänger weisen ein überdurchschnittlich hohes Unfallrisiko auf. Die Fahrerlaubnisprüfung soll gewährleisten, dass diejenigen Bewerber, die noch nicht über ausreichende Fähigkeiten verfügen, erkannt werden. Mit der Umstellung der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung auf Computertestung ergibt sich die Möglichkeit, situationsnähere Präsentationsformate (beispielsweise dynamische Darstellungen) und handlungsnähere Antwortformate (Reaktionszeiterfassung) in die Prüfung einzubeziehen. Mit Hilfe innovativer Aufgabenformate (Hazard Perception-Test) könnten handlungsnahe Kompetenzen, wie die Antizipation und Wahrnehmung von Gefahren, schon in der theoretischen Prüfung standardisiert erfasst werden. Diese sollen eine zuverlässige Trennung zwischen erfahrenen und unerfahrenen Fahrern und somit zwischen Fahrern mit niedrigem und hohem Unfallrisiko gewährleisten.
Untersuchungsmethode
Im Forschungsprojekt wurden unter Berücksichtigung empirisch fundierter Gestaltungsprinzipien aus der Lehr- und Lernforschung verschiedene neue Aufgabenformate (Wissens-, Einschätzungs- und Reaktionszeitaufgaben) entwickelt. Die konzipierten Aufgabenformate wurden jeweils in zwei Präsentationsformaten (statisch versus dynamisch) erstellt. Beide Versionen des Aufgabenmaterials wurden in zwei Vorstudien zunächst durch Experten-Novizen-Vergleiche auf ihre Kriteriumsvalidität untersucht (Experten: Personen mit einer Fahrerlaubnisbesitzdauer von über zwei Jahren; Novizen: Personen ohne Fahrerlaubnis).
Um festzustellen, inwieweit die Aufgaben mit dynamischem Material die Leistungsentwicklung von Fahrschülern während ihrer Fahrausbildung abbilden können, wurde eine Längsschnittuntersuchung mit drei Messzeitpunkten durchgeführt. Innerhalb dieser Längsschnittstudie bearbeiteten Fahrschüler die entwickelten Aufgaben zu Beginn ihrer Fahrausbildung (Messzeitpunkt 1), direkt nach ihrer Fahrausbildung (Messzeitpunkt 2) und nach etwa drei Monaten selbstständigen Fahrens. Die Leistungsentwicklung dieser Novizen wurde mit der Leistungsentwicklung von Experten, die parallel an der Längsschnittuntersuchung teilnahmen, verglichen.
Ergebnisse
In den Vorstudien zeigte sich, dass ein handlungsnahes Reaktionszeitaufgabenformat (ähnlich den sogenannten Hazard Perception-Aufgaben) als besonders kriteriumsvalide zu bezeichnen ist. Experten übertrafen Novizen bei diesen Aufgaben, in denen so schnell wie möglich auf auftauchende Bremshinweise reagiert werden sollte. Es wurden zudem Vorteile für den Einsatz dynamischer Darstellungen von Verkehrsszenarien innerhalb der Testaufgaben ermittelt: Fahrschüler profitierten von dieser Darstellungsform bei der Bearbeitung von Aufgaben zum Verkehrswissen.
Als Ergebnis der Längsschnittstudie zeigte sich, dass sich die Fahrschüler in allen eingesetzten Aufgabenarten über die Zeit verbesserten. Dabei erreichten sie während ihrer Ausbildung das Leistungsniveau von erfahrenen Fahrern lediglich für die Aufgaben, mit denen deklarative Wissensinhalte zur Gefahrenlehre und zu Faustregeln erfragt wurde. Bei Reaktionszeitaufgaben, die handlungsnah eher prozedurales Wissen erfassen sollten, steigerten die Novizen ihre Leistung zwar über die Zeit, waren aber nicht in der Lage, das hohe Niveau der Experten zu erreichen.
Folgerungen
Der Einsatz von dynamischem Bildmaterial in der theoretischen Fahrerlaubnisprüfung kann bei Einhaltung bestimmter Voraussetzungen prinzipiell empfohlen werden. Die Prüfung sollte durch ein Aufgabenformat ergänzt werden, das Kompetenzen prüft, die stärker mit dem tatsächlichen Fahrverhalten im Zusammenhang stehen. Dazu erscheinen die entwickelten Reaktionszeitaufgaben angemessen.
New exercise formats in theoretical driving tests
In order to reduce the excessively high accident risk of new drivers, various measures are currently taken. These include amongst other things the optimisation of the theoretical and practical driving tests. The aim of the project is a sound scientific basis for possible measures to improve the theoretical driving test. Great advantages can be seen in the use of computers during the theoretical test, e.g. in order to organise the test, and render it more flexible and objective. Moreover, a computer-based test presentation provides the opportunity to include modes of presentation and response formats in the test which are close to acting. With the help of innovative types of exercises, immediate acting competences could already be registered in the theoretical test in a standardised manner, which has been prooved empirically within the present research project.