Frage: Bundesfinanzminister Schäuble sieht den Euro durch die Turbulenzen vor allem getestet, ob diese europäische Konstruktion einer gemeinsamen Währung überhaupt funktionieren kann. Ist der Zusammenhalt und damit der Euro ernsthaft in Gefahr?
Christian Jasperneite: Ich kann mir das nicht vorstellen. Der Euro ist ja primär ein politisches Projekt gewesen, weniger ein ökonomisches. Aber jetzt, da wir den Euro haben, ist es fast unvorstellbar, dass wir wieder einen Schritt zurück machen werden zu einem Zerfall in verschiedene Währungen, vielleicht auch in Nord- oder Südeuro. Für mich wäre das aus politischen Überlegungen heraus vollkommen undenkbar. Gleichwohl ist es so, dass die Eurozone kein idealer Währungsraum ist, aber das war vorher auch schon bekannt. Und die Probleme haben wir jetzt.
Frage: An den Börsen scheint man besonders nervös zu sein. Irland, Portugal, Spanien - auch Belgien - sind da im Gespräch. Droht noch eine zweite Welle?
Christian Jasperneite: Keiner hat die Kristallkugel. Was das Thema Belgien angeht, würde ich sagen, das wurde von den Medien hochgepusht. Hier sehen wir keine fundamentalen ökonomischen Probleme. Und auch Spanien hat eigentlich, wenn man sich die Verschuldung anschaut relativ zum BSP, nach wie vor keine dramatischen Ausnahme erreicht. Die Dynamik der Zunahme der Verschuldung ist relativ hoch. Das Niveau befindet sich unterhalb des deutschen Niveaus relativ zum BSP. Ich habe den Eindruck, dass die Medien die Sache etwas zu sehr fokussieren. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn hier und da etwas mehr Ruhe einkehren würde.