Die Landschaftspfleger unterstützen den Vorschlag von Kommissar Cioloş nach Ausweisung von ökologischen Vorrangflächen. Die Landwirte sollten die Maßnahmen zum Greening jedoch flexibler auswählen können. Auch bestehende Landschaftsstrukturen wie Hecken oder Feldraine müssten innerhalb der Vorrangflächen berücksichtigt werden. "Es dürfen nicht die Landwirte benachteiligt werden, die bisher mit Rücksicht auf die Kulturlandschaft gewirtschaftet haben", so Göppel.
Von besonderer Bedeutung sei die vollständige Einbeziehung landwirtschaftlich genutzter Naturschutzflächen in die Agrarförderung. Hier gebe es laut DVL-Geschäftsführer Jürgen Metzner erhebliche Defizite, die im Zuge der Agrarreform behoben werden müssten. Ein Grundsatz-Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 14.10.2010 (C‑61/09), wonach die landwirtschaftliche Förderung auch auf Naturschutzflächen erfolgen kann, stütze diese Forderung. "Der Naturschutz darf zum Beispiel auf Weideflächen gegenüber der landwirtschaftlichen Produktion klar im Vordergrund stehen. Die Kommission muss diesen Spielraum zu Gunsten der europäischen Naturschutzziele nutzen", so Metzner. Die Landschaftspflegeverbände fordern deshalb, dass künftig alle Akteure, die Naturschutzleistungen in der Kulturlandschaft erbringen, in allen Bereichen der Gemeinsamen Agrarpolitik antragsberechtigt sein müssen!
Erheblichen Änderungsbedarf sieht der DVL im Hinblick auf die bisherigen Vorschläge aus Brüssel zur sogenannten Zweiten Säule. Nach Einschätzung der Landschaftspfleger seien Vertragsnaturschutz- und Landschaftspflegeprogramme von zentraler Bedeutung. "Wir brauchen neben dem "Greening" spezielle Programme zum Schutz organischer Böden, zur Renaturierung von Fließgewässern und für den verbesserten Artenschutz. Wir müssen dabei nichts Neues für die neue Programmplanungsperiode erfinden. Vieles können wir einfach anpassen und verbessern", so Göppel.
Der Deutsche Landschaftspflegetag 2011 in Bergisch Gladbach (Nordrhein-Westfalen) steht unter dem Motto "Perspektiven für Kulturlandschaften" und ist das Jahrestreffen der 155 Landschaftspflegeorganisationen in Deutschland. Er wird vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) gefördert. An dem Treffen nehmen 200 Vertreter aus allen Regionen Deutschlands und den europäischen Nachbarländern teil.