Das große Interesse und die Relevanz des Themas zeigte sich nicht zuletzt an der Resonanz von mehr 100 TeilnehmerInnen, die von der Integrationsbeauftragten des Landes Bremen, Silke Harth, begrüßt wurden. LehrerInnen, LogopädInnen, MedizinerInnen und andere Fachkräfte verfolgten aufschlussreiche Plenarvorträge und beteiligten sich an lebhaften Diskussionen. Überdies verfolgten Fachkräfte aus den Niederlanden, Großbritannien und der Schweiz die Beiträge über den Onlinedienst twitter.
Zehn ExpertInnen stellten bereits etablierte medizinische, pädagogische, soziale und sprachtherapeutische Maßnahmen zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung in Bremen und Bremerhaven vor. Deutlich wurde, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Bildung und Gesundheit weiter ausgebaut werden muss. So erklärte Prof. Dr. Wiebke Scharff Rethfeldt, dass die Unterscheidung von therapiebedürftigen Sprachentwicklungsstörungen gegenüber förderbedürftigen mangelnden Deutschkenntnissen, Fachkräfte noch immer vor eine Herausforderung stelle. Dabei seien Sprachfördermaßnahmen bei einer Sprachstörung nicht mehr ausreichend. Eine gesunde Sprachentwicklung in der Erstsprache sei jedoch dringende Voraussetzung für die Wirksamkeit von Sprachförderung. Auch Sybille Roehr und Björn Staritz, SonderpädagogInnen am LIS, zeigten in ihrem Beitrag, dass sich standardisierte diagnostische Prüfverfahren nur auf einsprachige deutsche Kinder beziehen. Diese würden aber in der Praxis auch mit ein- oder mehrsprachigen Kindern mit Fluchterfahrung durchgeführt. So komme es oft zu Fehldiagnosen. Kinder- und Jugendärztin Ulrike Roth zeigte anhand von zahlreichen Fallbeispielen anschaulich die Herausforderungen einer kultursensiblen medizinischen Versorgung im Bremer Praxisalltag.
Eine aktive Diskussion mit den Politik-Vertreterinnen Sandra Dehne (SPD), Dr. Kirsten Kappert-Gonther (Grüne) und Sandra Ahrens (CDU), sowie Ingeborg Klapproth-Hildebrandt vom Lehrerfortbildungsinsitut Bremerhaven und der AOK als Kostenträger, sorgte für einen anregenden Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Einigkeit bestand in der Notwendigkeit einer zukünftig engeren interdisziplinären Zusammenarbeit und einer individuellen Betrachtung der Einzelfälle für eine bestmögliche Versorgung der Kinder mit Fluchterfahrung.