Das Tanztheater eigenart aus Osnabrück zeigte sein Können in einer Inszenierung von Prof. Tamara McCall und Dörte Steindorff-Schulte, Dozentinnen im Studienprofil Elementare Musikpädagogik am Institut für Musik (IfM) der Hochschule Osnabrück. Ein Semester lang hatten sich Studierende des IfM und der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sowie Tänzerinnen und Tänzer mit der Frage befasst, was Ausgrenzung bedeutet und wie sie erlebt wird. Tänzerisch stellten sie dann diese Parallelwelten dar. Auch die Künstler-Kollektive tanzfähig Berlin, tanzbar_Bremen sowie Alteraciones Danza-Teatro & Danza Mobile aus Sevilla beeindruckten mit ihren Auftritten die etwa 120 Zuschauerinnen und Zuschauer und überwanden spielerisch die vermeintliche Distanz zwischen Menschen mit und ohne Behinderung.
Diese Distanz war dann auch das Thema eines Vortrags von Christian Judith unter der Überschrift "Wir alle tanzen zusammen, warum geht das nicht überall?" Dabei zitierte der von Geburt an körperbehinderte Judith aus einem Zeitungsartikel die Passage "sie war an den Rollstuhl gefesselt". Der Hamburger stellte fest: "Ich bin nicht an den Rollstuhl gefesselt. Und mein Dreirad ist Freiheit." Er kritisierte zudem, dass Menschen mit und ohne Behinderung in der Arbeitswelt immer wieder zusammenkommen - in Werkstätten etwa und durch den Zivil- oder Bundesfreiwilligendienst. "Aber wo verbringen Behinderte und Nichtbehinderte Freizeit miteinander? Wir machen das hier." Und nur so könne ein wirkliches Verständnis füreinander entstehen.
"Es sind die ersten Diversity Days, und ich hoffe, es werden noch viele folgen", erklärte die Leiterin der Gesamt-Veranstaltung, Tamara McCall, zu Beginn des Tanzperformance-Abends, um sich dann bei den zahlreichen Förderern zu bedanken. Dazu zählten die Fördergesellschaft der Hochschule Osnabrück, für die der stellvertretende Vorsitzende Stefan Engelshove ein Grußwort hielt, sowie der Rotary-Club Osnabrück-Süd, für den stellvertretend der ehemalige Hochschulpräsident Prof. Dr. Erhard Mielenhausen sprach. Prof. Dr. Marie-Luise Rehn, Vizepräsidentin der Hochschule Osnabrück, erklärte:
"Wir als Hochschule wollen auch daran gemessen werden, was wir im Bereich gesellschaftliches Engagement auf den Weg bringen. Und Veranstaltungen wie die Diversity Days, die ein sichtbares und erlebbares Miteinander bieten, sind da ein wesentlicher Baustein."
Prof. Sascha Wienhausen, Leiter des Instituts für Musik, fand schließlich diese Worte: "Künstler sollen ja auch immer Visionen entwickeln." Vielleicht brauche man in 20 Jahren solche Diversity Days gar nicht mehr, weil Vielfalt zur Normalität geworden ist. "Aber auf dem Weg dahin, wünsche ich mir noch 19 weitere Veranstaltungen."
Die Zeichen dafür stehen günstig, denn die Resonanz auf die ersten Diversity Days war groß. "Die 80 Workshop-Plätze waren schnell ausgebucht, etwa 80 weitere Personen standen noch auf der Warteliste", berichtet Marek Löhr vom LearningCenter der Hochschule, das die Veranstaltung mitorganisierte. Das LearningCenter unterstütze mit dem Projektbüro gerade derart gesellschaftlich relevante und interdisziplinäre Projekte mit dem Ziel, möglichst praxisnah an der Hochschule zu studieren und aktiv zu lernen. Auch die Verwirklichung einer Lehr- und Lerngemeinschaft, bei der Lehrende und Lernende gleichermaßen das Campusleben mitbestimmen, soll so weiterentwickelt werden. Unterstützt wurden die Diversity Days auch durch die Auftritte der inklusiven Musikgruppen von der Musik- und Kunstschule Osnabrück, TAKKATINA - geleitet von Sigrid Neugebauer-Schettler - und die "Musikfans" - geleitet von Linda Effertz.