Ab Dienstag, den 25. Mai 2010 untersucht die Firma Geophysik GGD Leipzig den Untergrund in zwei Wilhelmsburger Straßenzügen. Mit diesen Messungen erkunden die IBA Hamburg und die von ihr mitgegründete GTW Geothermie Wilhelmsburg Erdwärme-Potenziale in Wilhelmsburg. Sind die Erkundungen erfolgreich, könnte bis 2013 ein geothermisches Kraftwerk ca. 130° Celsius heißes Wasser aus tiefen Erdschichten fördern und mit dessen Energie mehrere tausend Wohnungen auf der Elbinsel mit Wärme versorgen - im besten Fall auch mit Strom.
Die Bodenuntersuchungen erfolgen entlang zweier Messlinien: in Nord-Süd-Richtung in der Georg-Wilhelm-Straße sowie in West-Ost-Richtung in der Wollkämmereistraße, in der Straße Bei der Wollkämmerei und in der Mengestraße. Die Messungen dauern etwa eine Woche. Dabei werden Messfahrzeuge eingesetzt, die abschnittweise Schallwellen in den Boden abgeben und aufgrund der reflektierten Wellen ein zweidimensionales Bild des Untergrundes zeichnen. Aufgrund dieses Bildes können dann mögliche Standorte für Probebohrungen bestimmt werden.
Messverfahren mit "schlauem Schall"
Für die Untersuchungen kommt die Reflexionsseismik zum Einsatz: Spezialfahrzeuge senden Schallwellen in den Boden, die von den tiefen Gesteinsschichten reflektiert und von Messgeräten an der Erdoberfläche aufgezeichnet werden. Aus den gewonnen Werten lassen sich Lage und Eigenschaften der Gesteinsschichten bis in etwa vier Kilometer Tiefe ermitteln. So werden auch die nutzbares Wasser führenden Sandstein-Schichten erforscht.
Die Vibrationen der Spezialfahrzeuge sind absolut ungefährlich, können aber in den umliegenden Gebäuden zu spüren sein - ähnlich einer vorbeifahrenden S-Bahn. In unmittelbarer Nähe zu den Vibratoren sind die Anregungsstöße als Basston hörbar. Die Messfahrzeuge rücken etwa im 3-Minuten-Takt jeweils 20 Meter voran. Durch den Einsatz wird der Straßenverkehr zeitweise eingeschränkt sein.
Vor Beginn der Erkundungen markieren Vermesser bereits in dieser Woche die Messlinien mit P?öcken. Entlang der Linien werden die Messgeräte ausgelegt. Diese ragen ca. fünf Zentimeter aus dem Boden und sind per Datenkabel untereinander verbunden. Die isolierten Kabel führen keinen Strom und können befahren werden. Die Anwohner werden gebeten, die Messgeräte und Kabel nicht zu verschieben. In der ersten Juniwoche werden die Messarbeiten einschließlich Nachmessungen und Beräumung abgeschlossen sein.
Forschung für die Energie von morgen
Geothermie, die in der Erdkruste gespeicherte Wärme, ist eine Energiequelle mit Zukunft: umweltfreundlich, sauber und - anders als z.B. Solarenergie - wetterunabhängig. Das Forschungsprojekt "Tiefengeothermie Wilhelmsburg" wird von der Freien und Hansestadt Hamburg unterstützt. Das Projekt ist ein Baustein des Klimaschutzkonzeptes "Erneuerbares Wilhelmsburg" der IBA Hamburg. Ziel des Konzeptes ist es, die Energieeffizienz zu verbessern, den Energieverbrauch zu senken und langfristig auf den Elbinseln den Anteil erneuerbarer Energien auf 100% zu steigern. Wilhelmsburg kann damit zum Vorreiter der post-fossilen Stadt der Zukunft werden.
Mehr Informationen zum Projekt "Tiefengeothermie Wilhelmsburg" erhalten Sie im Internet auf www.iba-hamburg.de/....