"Die Ergebnisse der ersten Erhebung sind noch mit Vorsicht zu genießen, da der Ausbildungsmarkt in Bewegung bleibt und viele Verträge erst in den kommenden Wochen abgeschlossen werden", erklärt Dr. Dirk Lüerßen, IHK-Geschäftsführer für Aus- und Weiterbildung. Allerdings deuteten die sehr positiven Zahlen zum Stichtag 30. April und Umfragen bei den Unternehmen auf eine gute Entwicklung hin. So stieg die Zahl der bei der IHK eingetragenen Ausbildungsverträge im April um 8,8 % gegenüber dem Vergleichsdatum 2007. Noch positiver zeigen sich die Zahlen im Handwerk. "Vor allem im Metall- und Elektrobereich gibt es einen starken Anstieg, allerdings macht uns der Bereich Bau weiterhin Sorgen", so Jörg Frerichs, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Ostfriesland. Auch die Agenturen für Arbeit verzeichneten einen deutlichen Zuwachs der versorgten Bewerber.
Bei der in Ostfriesland federführend vom Landkreis Leer durchgeführten Schülerbefragung wird ein leichter Rückgang der Schulabgänger verzeichnet, während im nördlichen Landkreis Emsland die Abgängerzahlen gering steigen. Zu den Schulabgängern des Jahres 2008 kommen noch die Altbewerber ohne Lehrstelle, die im vergangenen Jahr nicht wieder zur Schule gegangen sind. Hier wartet der "Runde Tisch" die parlamentarische Debatte über den so genannten Ausbildungsbonus ab, der Altbewerber gezielt fördern soll. Viele von diesen gelten als nicht ausbildungsfähig oder -willig. Der Anteil der Jugendlichen, die somit für eine Ausbildung nicht geeignet sind, bleibt nahezu konstant. Hier müsse zukünftig besonders früh und engagiert eingewirkt werden, um den Übergang in die Ausbildung zu ermöglichen und eine dauerhafte Abhängigkeit von Sozialleistungen zu verhindern.
Für alle Jugendlichen, die aktuell eine Lehrstelle suchen, verbreitete der "Runde Tisch" jedenfalls eine deutlich positive Stimmung. Wer bei der Berufswahl und beim Ort der Ausbildung flexibel ist, hätte so gute Chancen wie lange nicht mehr, einen geeigneten Platz zu finden. Zugleich sollten auch Betriebe, die noch nicht ausbilden, diese Möglichkeit nutzen. "Der Wettlauf um die Fachkräfte von morgen hat schon begonnen", sagt Lüerßen. Deshalb sollten noch mehr Unternehmen ausbilden - sofern sie denn geeignete Bewerber finden. Denn eine bundesweite Umfrage der IHK-Organisation hat gezeigt, dass schon im letzten Jahr bei 15 % der Unternehmen Ausbildungsplätze unbesetzt blieben. Der häufigste Grund: Es fehlten geeignete Bewerber.