Eigentlich sollte die ultralockere Geldpolitik die Konjunktur auf Trapp bringen und sich damit auch positiv auf die Gewinnperspektiven der Unternehmen auswirken. Doch längst ist die Medizin zum Selbstzweck geworden. An einer raschen Genesung scheinen viele Aktienmarktteilnehmer überhaupt nicht interessiert zu sein. Schließlich würde dann die Dosierung der Liquiditätsspritzen in Form von zusätzlichen Staatsanleihenkäufen durch die US-Notenbank allmählich zurückgefahren. Daher werden schwächer als erwartet ausfallende Daten und Indikatoren derzeit an den Aktienmärkten gefeiert. Positive Konjunkturüberraschungen lösen dagege Ängste vor einem früheren "Tapering" der Fed aus. Die Kursentwicklung an den Aktienmärkten ist somit inzwischen nicht mehr fundamental, sondern in erster Linie liquiditätsgetrieben.
Es ist also ein schmaler Grat, auf dem sich Aktien inzwischen bewegen. Bislang ist lediglich der noch bis vor kurzem hohe Anteil positiver Konjunkturüberraschungen zusammengeschmolzen. Sollte sich die jüngste Tendenz fortsetzen und die Daten sogar mehrheitlich negativ überraschen, kämen rasch wieder Wachstumsängste auf. Der Schalter würde dann vermutlich relativ schnell wieder auf "Risk off" umgelegt werden. Immerhin hat die Stimmung unter institutionellen und privaten US-Aktienanlegern inzwischen Spitzenniveaus erreicht. Die implizite Aktienmarktvolatilität bewegt sich am unteren Rand der langjährigen Spanne und signalisiert damit extreme Gelassenheit. Im Sinne der Kontraindikation mahnt dies zur Vorsicht. In der Vergangenheit setzten bei derart ausgeprägtem Optimismus häufig Korrekturen ein.
Schließlich bietet die Bewertungssituation an den Aktienmärkten inzwischen keinen Puffer mehr für weiter rückläufige Gewinne. So bewegen sich die gängigen Bewertungsrelationen bei den meisten Indizes mittlerweile am oberen Rand des historischen Normalbereiches. Gleichzeitig zeichnet sich bislang noch kein Ende der mehrheitlich nach unten gerichteten Revisionen für die Nettoergebnisse der kommenden 12 Monate ab. Zwar überwiegen in der laufenden Zwischenberichterstattung die positiven Gewinnüberraschungen. Dies ist jedoch in erster Linie auf die zuvor deutlich nach unten revidierten Gewinnschätzungen zurückzuführen. Derartiges "Erwartungsmanagement" ist allerdings keine tragfähige Basis für einen dauerhaften Kursaufschwung.
Die Abgabebereitschaft insbesondere institutioneller Investoren dürfte sich bis Jahresende gleichwohl in Grenzen halten. Schließlich ist 2013 bislang ein überdurchschnittlich gutes Aktienjahr. Da möchte sich am Jahresultimo niemand mit einer zu niedrigen Aktienquote erwischen lassen. Die inzwischen recht offensive Positionierung weiter Anlegerkreise lässt aber auch keine großen Nachholeffekte erwarten. Das Kurspotenzial dürfte somit zunächst weitgehend ausgeschöpft sein.