Die Kursentwicklung bei den international führenden Aktienindizes verläuft inzwischen wesentlich differenzierter als dies über weite Strecken des vergangenen Jahres der Fall war. Während die japanischen, britischen und US-amerikanischen Börsenbarometer gegenüber dem Jahresultimo mit hohen einstelligen Kurszuwächsen glänzen, drohen DAX und EURO STOXX 50 kurzfristig etwas den Anschluss zu verlieren. Dabei konnten gerade die konjunkturellen Frühindikatoren aus dem Euroraum zuletzt mehrheitlich positiv überraschen, während die Daten aus den USA und Großbritannien hinter den Erwartungen zurückblieben. Auch Japan konnte bislang nicht gerade mit positiven Wirtschaftsdaten glänzen. Was also zeichnet diese Aktienmärkte aus? Sowohl die amerikanische als auch die japanische Notenbank steuern gegenwärtig einen expansiveren Kurs als die EZB, die zuletzt eher eine abwartende Haltung eingenommen hat. Zudem haben die jeweiligen Währungen gegenüber dem Euro zum Teil deutlich abgewertet.
Anders als noch vor wenigen Monaten wird ein starker Euro nicht länger als Zeichen einer Deeskalation der Euro-Schuldenkrise und damit positiv für Euro-Titel interpretiert. Vielmehr wird die Aufwertung des Euro inzwischen als Wachstumsrisiko gesehen. Die Tatsache, dass gegenwärtig offenbar ein Verteilungskampf um internationale Marktanteile über die Währungsseite ausgefochten wird, spricht, trotz zunehmender Lichtblicke in der Weltkonjunktur, nicht gerade für eine hinreichend stabile Wachstumsperspektive. Dass Aktien in der Breite den zum Teil recht steilen Anstieg der vergangenen Monate ungebremst fortsetzen, ist somit wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürfte der einfache Teil der Rally inzwischen hinter uns liegen. Schließlich ist die übertrieben hohe Risikoaversion des vergangenen Jahres mittlerweile abgebaut. Die implizite Aktienmarktvolatiliät als klassisches Angstbarometer bewegt sich gegenwärtig am unteren Rand der Spanne der letzten fünf Jahre. In Liquidität gehaltene Parkpositionen institutioneller Investoren wurden weitgehend aufgelöst. Der Anteil in Aktien übergewichteter Anleger hat zuletzt annähernd die Spitzenniveaus früherer Zyklen erreicht.
Nachdem somit die Rotation zu Gunsten von Aktien offensichtlich weitgehend vollzogen ist, dürfte erst einmal der notwendige Schwung fehlen, um die unmittelbar bevorstehenden alten Höchststände bei S&P 500, Dow Jones Industrials und DAX in einem Zuge zu überwinden. Im Sinne der Kontraindikation spricht der ausgeprägte Optimismus weiter Anlegerkreise vielmehr dafür, dass die weltweit führenden Aktienindizes zunächst eine Konsolidierungsphase durchlaufen, ähnlich wie dies bei DAX und EURO STOXX 50 bereits in Ansätzen zu beobachten ist. Mittelfristig sprechen jedoch die global sehr expansive Geldpolitik, steigende konjunkturelle Frühindikatoren und damit einhergehend zumindest stabile Gewinnperspektiven für wieder höhere Notierungen bei Dividendentiteln. Mögliche Schwächephasen sollten daher selektiv zum Positionsausbau genutzt werden.