Angstfaktor "Fiskalische Klippe" ...
Zum Jahreswechsel 2012/2013 zitterte die Welt vor dem drohenden Sturz der USA von der fiskali-schen Klippe. Temporär angelegte finanzpolitische Stimuli sollten zum Jahreswechsel auslaufen, Steuern erhöht werden. Mit der bisherigen Politik des großzügigen Ignorierens ("benign neglect") ihrer massiven Haushaltsdefizite hingen die USA angeblich an der fiskalischen Nadel. Daher wur-de der zur Jahreswende erwartete Entzug in der Größenordnung von mehr als 600 Mrd. US-Dollar bzw. fast vier Prozent am amerikanischen Bruttosozialprodukt von vielen Auguren zum Auslöser der nächsten Wirtschaftskrise hochstilisiert. Der erstrebenswerte Defizitabbau wurde in den Hin-tergrund gedrängt. Stattdessen prägte das Bild vom unaufhaltsam näher rückenden Abgrund die Diskussion.
... keine wirkliche Gefahr
Buchstäblich auf den letzten Drücker wurde dann aber in der Neujahrsnacht eine Kompromiss-lösung zwischen Republikanern und Demokraten gefunden, weitgehend symbolische Steuererhö-hungen für die Reichsten vereinbart und einige Ausgabenkürzungen durchgeführt. Eine Rezession konnte abgewendet werden. Der Kompromiss war jedoch so angelegt, dass bis Anfang März zu-sätzliche politische Weichenstellungen erforderlich wurden, um nicht wieder vor einer neuen Klippe zu stehen. Abermals wurde das Rezessionsszenario bemüht. Doch auch diesmal entpuppte sich die Klippe nur als ein Schlagloch. Die Anfang März automatisch greifenden Sparmaßnahmen in der Größenordnung von 45 Mrd. US-Dollar für die verbleibenden sechs Monate des laufenden Haushaltsjahres machen lediglich rund 0,5 Prozent gemessen an der Größe der US-Wirtschaft aus. Darüber hinaus ist immer noch nicht sicher, ob diese Einsparungen tatsächlich Bestand ha-ben oder vielleicht noch rückgängig gemacht oder zumindest abgemildert werden.
US-Aktienmarkt markiert Allzeithoch
Während also viele Ökonomen und Politiker fast drei Monate vor der fiskalischen Klippe in den USA zitterten und eine drohende Rezession immer wieder ins Feld führten, spielten die Aktien-märkte ein ganz anderes Szenario. Die Leitindizes eilten in den letzten Wochen von einem Hoch zum nächsten. Mittlerweile hat der Dow Jones Industrials sein historisches Allzeithoch aus dem Jahre 2007 hinter sich gelassen und auch der marktbreite S&P 500 ist nur noch wenige Punkte davon entfernt. Wer irrt, der Markt oder die Wachstumsprognostiker?
Zunehmende Konjunkturdynamik im Jahresverlauf
Wir hatten bereits zum Jahreswechsel darauf verwiesen, dass Befürchtungen einer Rezession in den USA überzogen seien. Zwar werden sich auch die USA auf absehbare Zeit mit moderaten Wachstumsraten begnügen müssen, da auch dort die Nachwehen der Finanzkrise noch ihre Wir-kung entfalten. Doch dürfte die Konjunkturdynamik im weiteren Jahresverlauf und auch 2014 ten-denziell zunehmen, so dass der amerikanische Aktienmarkt offensichtlich die richtigen Signale liefert.
Helaba von positiver Aktienmarktentwicklung nicht überrascht
Auch der deutsche Aktienmarkt hat sich im ersten Quartal trotz wahlpolitischer Störungen aus Italien und durchwachsener Konjunkturdaten aus dem Euroraum sehr robust gezeigt. Die psycho-logisch wichtige Marke von 8.000 Punkten wird derzeit getestet. Auch hier spielt neben Themen wie ultralockere Geldpolitik und Anlagenotstand die Aussicht auf eine konjunkturelle Erholung eine wesentliche Rolle. So markiert der Rückgang des BIP im vierten Quartal 2012 den Tiefpunkt der jüngsten Wachstumsdelle. Die vorlaufenden Indikatoren wie das ifo-Geschäftsklima oder die ZEW-Konjunkturerwartungen zeigen eindeutig nach oben, so dass bereits im ersten Halbjahr wieder mit positiven Wachstumsraten zu rechnen ist. So ist auch der Anstieg des DAX keine Überraschung - zumindest nicht für uns. Wir hatten bereits im letzten Jahr prognostiziert, dass der DAX im Jahr 2013 seine historischen Höchststände im Laufe des Jahres überschreiten und die Marke von 8.200 Punkten knacken würde. Die Geschwindigkeit, die der DAX dabei hingelegt hat, ist bemerkens-wert.
Potenzial für Aktienmarkt wird kleiner
Wir erwarten zwar, dass im Laufe des Jahres die Konjunktur anzieht, allerdings hat der Aktien-markt dies nunmehr größtenteils vorweg genommen. Zweistellige Zuwachsraten sind folglich nicht mehr zu erwarten. Für Anleger, die bereits im DAX investiert sind, heißt das, Gewinne laufen las-sen. Für alle anderen gilt, verpassten Chancen nicht hinterher zu laufen. Dies gilt umso mehr, je deutlicher die Marke von 8.000 Punkten überschritten wird.
[1] Mehr Details zu unseren Kapitalmarktszenarien finden Sie im Helaba Kapitalmarktausblick 2013 vom 26. November 2012 "With a Little Help from my Friends".
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