"Ich bin Neurotiker und alkoholabhängig" - so stellt sich Uwe Dolata bei den Sitzungen der Gruppentherapie in einer Klinik für psychosomatische Medizin vor. Vorausgegangen war eine Trinkerkarriere, wie sie typisch für die moderne Leistungsgesellschaft ist: Vom ritualisierten Gewohnheitstrinken bei besonderen Anlässen bis zur Kompensation von übertriebenem Erwartungsdruck und Versagensangst ist es nur ein kleiner Schritt. Der gemeinsame Nenner in den Lebensgeschichten der meisten Alkoholabhängigen ist ein bereits in der Kindheit erworbenes Gefühl der Überforderung durch Erwartungen von außen, auf die mit Betäubung durch die Volksdroge Nummer eins reagiert wird. Auch der Erfolgsmensch und Leistungsträger Dolata, der sich nach einer Kindheit im Heim vom Außenhandelskaufmann zum Diplom-Verwaltungswirt und Kriminalbeamten mit Schwerpunkt Wirtschaftskriminalität hochgearbeitet hat, greift bei privaten und beruflichen Enttäuschungen zur Flasche. Erst ein schwerer Unfall unter Alkoholeinfluss und ein zermürbendes Disziplinarverfahren, dem der totale körperliche Zusammenbruch folgt, machen die Entscheidung für eine Therapie unausweichlich.
"Hurra, ich bin süchtig" - das ist das paradox anmutende Fazit, das Uwe Dolata nach seinem dreimonatigen Aufenthalt in der Klinik zieht. Mit Hilfe von Gruppengesprächen, Gestaltungstherapie und Tagebuchaufzeichnungen gelingt es dem gelernten "Kopfmenschen", einen Zugang zu seinen Gefühlen und Schwächen zu finden. Erstmals befasst er sich mit der Malerei als Ausdrucksmittel und erprobt verschiedene Wege, "mit Worten zu gestalten". Der Ehrgeiz und der übertriebene Perfektionismus, die Dolata damals dazu getrieben haben, Niederlagen und Rückschläge im Alkohol zu ertränken, sind einer Kreativität und dem Engagement in verschiedenen Bereichen gewichen. Sowohl als Künstler und Schriftsteller wie auch als Publizist und Politiker teilt Dolata seine privaten und beruflichen Erfahrungen mit der Öffentlichkeit und trägt so zu mehr Sensibilität und Transparenz bei. Denn das eigentliche Problem ist für Dolata die Übersättigung der Gesellschaft mit und durch Konsum, was sich auch in der Anfälligkeit für Korruption - sein anderes großes Thema - widerspiegelt.
Auf unzähligen Vortrags- und Lesereisen klärt der Experte für diese oft tabuisierten Phänomene unserer Zeit nicht nur auf und engagiert sich für verschiedene Initiativen zur Sucht- und Korruptionsprävention. Sondern er gewährt durch seine Autobiografie auch einen sehr persönlichen Einblick in sein Leben, der Betroffenen und ihren Angehörigen gleichermaßen Mut macht.
Uwe Dolata
Stationen einer Wiedergeburt
Sucht als Chance
Mankau Verlag
6. neu bearbeitete Auflage 2008
9,95 Euro (D) / 10,30 Euro (A), 140 S.
ISBN 978-3-938396-15-5
Rezensionsexemplare werden ab sofort versandt.
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