Das Foto von dem nackten Mädchen Kim Phúc, das nach einem US-Angriff aus einer Napalm-Wolke flieht, gehört zu den Symbolen des Vietnamkrieges. Doch vor diesem gab es noch einen anderen Vietnamkrieg: den der Franzosen. Die Franzosen waren seit dem 19. Jahrhundert die Kolonialherren in Indochina, und das Ende ihrer Herrschaft kam vor genau 60 Jahren. Am 7. Mai 1954 kapitulierten die Franzosen in der Festung Dien Bien Phu. Mit dem Sieg in der Schlacht von Dien Bien Phu erlangte der "vietnamesische Napoleon", General Võ Nguyên Giáp, Weltruhm.
Dien Bien Phu im Nordwesten Vietnams an der Grenze zu Laos heißt übersetzt "Große Kreisstadt an der Landesgrenze". Weniger eine Stadt als vielmehr eine Ansammlung kleiner Siedlungen in einem geräumigen Tal hatten die französischen Militärs im Sommer 1953 ausgewählt, um dem Krieg gegen den Viet Minh die Wende zu geben.
Strategische Meisterleistung
Der Viet Minh unter Führung von General Giáp hatten in einer logistischen Meisterleistung Waffen, Munition und selbst schwere Artillerie unbemerkt über Dschungelpfade auf die umliegenden Berghänge transportiert. Sie unterschätzen Giáps strategisches Talent und den Willen der Vietnamesen. Mit Hilfe russischer Flakgeschütze konnten die Vietnamesen außerdem die Versorgung der Festung aus der Luft weitgehend unterbinden. Giáp setzte Transportkolonnen mit bis zu 2.000 Fahrrädern ein, die mit Nachschub von bis zu 300 Kilogramm beladen waren. 17.000 Mann der französischen Armee standen 33.000 Soldaten der Viet Minh gegenüber.
Nach einem 55 Tage dauernden Kampf, der von beiden Seiten als außerordentlich blutig und erbarmungslos beschrieben wird, kapitulierten die Franzosen. Die Niederlage der französischen Truppen verkündete am 7. Mai 1954 der amerikanische Außenminister John Foster Dulles in Washington: "Vor einigen Stunden ist Dien Bien Phu gefallen. Vietnam hat bewiesen, dass es Soldaten mit den erforderlichen Fähigkeiten hat, ihr Land zu verteidigen."
Mit dem Sieg zerstörten die Vietnamesen den Glauben an die Unbesiegbarkeit westlicher Armeen und leiteten damit weltweit eine neue Ära des antikolonialistischen Widerstands ein. Die Schlacht führte zur Teilung Vietnams - und zum anschließenden Krieg zwischen dem kommunistischen Norden und dem von den USA unterstützten Süden.
General Giáp, der als engster Vertrauter des vietnamesischen Kommunistenführers Ho Chi Minh gilt, hatte nie eine Militärschule besucht. "Meine militärische Akademie waren der Busch und der Guerillakampf gegen die Japaner", zitierte ein Historiker Giáp in dem Buch "Die Schlacht von Dien Bien Phu". Nationalheld Giáp starb im letzten Jahr im Alter von 102 Jahren. Das zweitägige Staatsbegräbnis war das grösste seit Jahrzehnten in Vietnam.